Auf der Homepage von Linda Kunze habe ich zufällig den Aufruf zu dieser Blogaktion gefunden. Ich kann noch immer nicht die Finger von Blogbeiträgen lassen, daher habe ich spontan beschlossen, mitzumachen. Ich bin gespannt, wohin es führt und ob ich regelmäßig mitmachen werde. Wenn du magst, schließe dich gerne an und teile deine 7 Gedanken des Monats.
Gedanke 1: Ich erwarte zu viel – was ist, wenn das stimmt?
Diverse Menschen, gerne Chefs, sind überzeugt, dass ich zu viel von anderen (etwa auch von mir?) erwarte. Damit meine ich nicht, dass ich unausgesprochen erwarte, dass Menschen Dinge für mich erledigen, und ich anschließend beleidigt bin, wenn sie es nicht tun, sondern Folgendes: Eine Person hat einen Arbeitsauftrag, egal ob beruflich oder privat, und erledigt diesen nur halb oder gar nicht (weil zu schwer, langwierig oder weiß der Kuckuck, was der Hintergrund ist). Mich regt das auf. Ich gebe bei allem immer hundert Prozent und denke, dass alle so ticken. Was ist, wenn genau das das Problem ist? Wenn andere gar nicht alles geben wollen oder können? Die Erkenntnis ist wirklich nicht neu, aber wie ich damit umgehen soll, weiß ich trotzdem nicht. Es einfach hinnehmen scheint ja offensichtlich nicht zu klappen. Vielleicht sollte ich bei mir ansetzen und versuchen, es mit dem berühmten „80 Prozent reicht“ zu versuchen, das mir überall über den Weg läuft. Wie handhabst du das?
Gedanke 2: Trotz angestrebter 100 % war es nicht perfekt
Ich muss der Sache ins Auge sehen, obwohl es schwerfällt. Gerade bei meinem Herzensprojekt, meinem Debüt, habe ich eine Menge an Anfängerfehlern mitgenommen, und ich wette, es wird bei der Veröffentlichung nicht besser werden. Ich kenne so ziemlich alle Schreibtipps, die es gibt, aber glaub mal nicht, dass ich sie anwende. Zum ersten Mal in meinem Leben fühlt es sich an, als würde ich mit Learning by doing nicht erfolgreich sein, was natürlich Quatsch ist. Nichts anderes mache ich gerade. Das Verrückte ist, dass ich quasi schon mein gesamtes Leben lang Leserin bin und genau weiß, was lesbar ist und was nicht. Man sollte meinen, dass ich es einfach so umsetzen kann. Die Wahrheit ist: Ich kann es nicht, zumindest nicht ohne Hilfe und Anstrengung. Ich hoffe, dass ich in der mir bevorstehenden Phase sehr viel dazulerne und es beim nächsten Buch anwenden kann. Nicht umsonst sagen mir die erfahrenen Autoren immer, dass das erste Lektorat einiges verändert.
Gedanke 3: Gut Ding will Weile haben
Erstens: Ich verabscheue den Spruch, weil ich schon immer unglaublich ungeduldig war. Zweitens: Leider stimmt er. Ich komme noch mal zurück auf mein Debüt. Seit 2023 arbeite ich daran, anfangs halbherzig, weil ich dachte, dass es ohnehin nichts werden kann, dann immer intensiver. Im Frühjahr dann die Wende. Ich wollte unbedingt bis zum 26. September fertig werden, weil ich als Ausstellerin bei der RE Buch angemeldet bin. Also habe ich Gas gegeben und mit Sicherheit auch einiges außer Acht gelassen, was ich mit ausreichend Zeit überdacht hätte. Wie dumm das war, bemerke ich jetzt, denn ich hätte noch sehr viel am Text feilen können, aber das Aber bleibt: Hätte ich überhaupt erkannt, was ich anpassen sollte, oder hätte ich es schlimmer gemacht? Siehe Gedanke 2. Herausfinden werde ich es wohl nie.
Gedanke 4: „Ich habe dir doch gesagt, was du machen sollst. Nichts.“
Anfang September waren wir für zehn Tage auf Föhr. An einem Abend saßen wir im Restaurant und warteten auf unsere Bestellung. Ich habe schon seit ein paar Monaten Social Media auf ein zweites Handy mit einer Prepaidkarte verbannt, weil ich zeitweise dachte, mein Leben findet nur noch online statt. Also hatten wir Muße, uns zu unterhalten und Leute zu beobachten. Ein älteres Paar kam herein, setzte sich zwei Tische weiter hin und sah dabei so vertraut aus, dass mir ganz warm ums Herz wurde. Die vollständige Unterhaltung habe ich nicht mitbekommen, wohl aber, dass der ältere Herr zu seiner Begleitung eben jenen Satz oben sagte. In diesem Moment hat es mich auf so vielen Ebenen berührt. Erst mal, weil er recht hatte. Manchmal sollte man einfach mal nichts tun. Egal, ob damit „entspannen“ gemeint ist oder eine Situation abzuwarten. Ihr Blick, den sie ihm daraufhin zuwarf, zeigte tiefes Vertrauen darauf, dass er recht hat, und gleichzeitig erteilte er seinen Ratschlag auf Augenhöhe. Es erstaunt mich immer wieder, was ein so kurzer Augenblick aussagen kann, wenn man genau hinsieht und hinhört.
Gedanke 5: Hier fehlt Seele
Während des oben genannten Urlaubs wollten wir in einem Café Waffeln essen und richtig guten Kaffee trinken. Dieses Café war hochgelobt mit diversen Fünf-Sterne-Rezensionen und wurde mir als besonders gemütlich empfohlen. Erstmal war es sehr voll, was eigentlich ein Zeichen dafür ist, dass die positiven Meinungen passen. Offenbar waren einige Bewertende des Öfteren dort und waren immer zufrieden. Was uns erwartet hat, war ein großer Raum ohne Seele. Ich weiß nicht, woran es lag, aber weder war die Bedienung besonders nett, noch war es heimelig. Es war zwar so eingerichtet, dass es gemütlich sein könnte, aber ich habe mich keine Sekunde dort wohlgefühlt. Woran es gelegen hat, habe ich nicht herausgefunden, aber ich weiß, dass ich bei unserem nächsten Besuch auf Föhr dort nicht mehr hinfahren werde. Die Waffel, die ich dort gegessen habe, war genauso geschmacklos wie der Kaffee, obwohl beides ansehnlich zubereitet auf schönem Geschirr serviert wurde. Meine Vermutung ist, dass es zu schnell größer geworden ist. Manchmal ist Expansion eben nicht die Lösung. Immerhin habe ich leckeren Chai-Tee für zu Hause mitgenommen. Danach bin ich nämlich süchtig.
Gedanke 6: Natur und Bewegung, die unterschätzten Glücklichmacher
Einige Jahre meines Lebens habe ich gehend, walkend und joggend draußen verbracht. Dabei war mir die “Wandertherapie”, bei der ich mich auf unzähligen Runden durch mein Viertel oder auf offiziellen Wanderrouten mit meiner Freundin über Gott und die Welt und alles dazwischen ausgetauscht habe, die liebste. Vor einigen Jahren ist sie weggezogen und seitdem habe ich gefühlt die Wohnung nicht mehr verlassen. Obwohl das Quatsch ist, denn ich mache Sport am liebsten allein. Aber etwas hat mir offensichtlich gefehlt. Seit Juli mache ich wieder Sport, und zwar Kiesertraining. Das kommt mir sehr entgegen, weil ich in ungefähr einer halben Stunde fertig bin, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause trainieren kann und der Trainingsraum nicht von nervender Musik beschallt wird. Schon auf dem Weg nach Hause (meist mit dem Rad) merke ich, wie gut mir die Bewegung tut. Auch in unserem Urlaub sind wir viel gelaufen, auch bei Regen und Sturm. Spaziergänge am Meer sind genau das Richtige für mich. Es fiel mir also nicht schwer, mich laufend fortzubewegen. Genau wie bis zum Jahr 2021 stellte ich fest: In der Natur sein und sich bewegen sind das ultimative Mittel, um mich glücklich zu machen. Geht es dir auch so?
Gedanke 7: Face-to-Face schlägt online
Mein halbes Leben lang habe ich geglaubt, dass ich Menschen nicht leiden kann. Oftmals ist es so, dass ich eher ein Problem mit der Rücksichtslosigkeit und dem Egoismus habe, nicht mit Menschen allgemein. Mittlerweile kann ich das auseinanderhalten. Dafür brauchte ich aber ein Führungskräfteseminar, in dem diese Art Denken ausgewertet wurde. Als bei mir herauskam, dass ich ein Menschenfreund bin, habe ich fest an einen Fehler geglaubt. Je mehr ich in mich gehe, desto mehr merke ich, dass ich einerseits aus den persönlichen Begegnungen mit Menschen Kraft schöpfen kann, andererseits laugt es mich auch aus. Es liegt immer daran, wie nahe mir der Mensch ist oder wie wir generell zueinander stehen. Oben genannte Freundin treffe ich die meisten Sonntage im Jahr per Zoom zum Quatschen. Jedes Mal stelle ich fest, dass es ein riesiger Unterschied ist, ob man sich live sieht oder durch einen Bildschirm. Es ist ein tolles Mittel, um sich nicht aus den Augen zu verlieren, aber es ersetzt kein persönliches Treffen. Kürzlich habe ich meine Freundin getroffen, mit der ich täglich schreibe. Aus diversen Gründen sehen wir uns selten, aber es ist jedes Mal so, als ob wir uns gestern das letzte Mal persönlich begegnet wären. Auch dieses Mal bin ich nach Hause gefahren und habe mich gut gefühlt, fast als hätte ich länger Urlaub gehabt. Gut, in dem Fall war es so, aber das Gefühl habe ich mit einer Handvoll Leute immer, wenn ich sie gesehen habe. Mein Tipp ist: Lieber Menschen persönlich treffen als durch einen Bildschirm, sofern es möglich ist.
Ich bin verblüfft, wie schnell diese sieben Gedanken ihren Weg in meinen Blogbeitrag gefunden haben. Als ich angefangen habe zu schreiben, dachte ich, dass ich den Rest des Septembers Zeit hätte, aber ich habe einen Punkt nach dem anderen geschrieben und hätte vermutlich auch zehn oder fünfzehn Gedanken zusammenschreiben können. Kommentiere gerne, wenn dir zu einem dieser Punkte etwas einfällt. Ich freue mich immer über Austausch.

