Korvatunturi
Pah! Dieses blöde Fest konnte ihr gestohlen bleiben. Sie konnte mit dieser dämlichen Zeit nichts anfangen. Wer brauchte diese Feiertage? Amélie hasste Weihnachten. Nicht nur, weil die Menschen in dieser Zeit eine Maske aufsetzten und besinnlich taten, sondern, weil sie am 24. Dezember Geburtstag hatte. Jeder normale Mensch war an seinem Geburtstag etwas Besonderes. Jemand, der gefeiert wurde und Geschenke erhielt. Gut, sie bekam natürlich auch Geschenke, aber alle anderen ebenfalls.
Schon in ihrer Kindheit fielen die Geburtstagspartys aus, jetzt, mit Mitte dreißig, sowieso. Sie feierte nie. Wer hatte schon Lust und Zeit, zwischen Weihnachten und Neujahr eine Geburtstagsparty zu besuchen?
Amélie war trotz ihres bezaubernd klingenden Namens nicht sonderlich beliebt. Meistens hatte sie schlechte Laune, meckerte an allem herum und mochte sich selbst nicht so richtig. Das führte dazu, dass sie häufig allein oder weit ab von anderen Menschen stand und sich noch unglücklicher fühlte. Dabei sehnte sie sich doch nur nach Kontakt zu anderen Menschen, die sie akzeptierten, wie sie war.
Heute war sie mit ihren Arbeitskollegen auf dem Wintermarkt. Die weihnachtlichen Klänge, die aus den Lautsprechern der Buden schallten, vermischten sich zusammen mit den vielen Stimmen der Besucher in ihren Ohren zu einem undefinierbaren Brei an Lauten. Nicht auszuhalten! Lust auf diesen Ausflug hatte sie sowieso nicht, aber ihr Chef hatte irgendwas von Teambuilding und Zusammenhalt erzählt und dass die Teilnahme verpflichtend war.
Missmutig nahm Amélie die Tasse mit dem dampfenden und unangenehm nach Zimt und Sternanis riechenden Glühwein entgegen und rümpfte die Nase. Sie mochte dieses Getränk nicht, aber sie wollte dazugehören und hatte sich daher entschieden, das Zeug herunterzuwürgen. Hoffentlich sah niemand, wie sehr sie sich ekelte. Ein Blick auf ihre Kollegen, die rund um einen Stehtisch standen, zeigte ihr, dass alle Spaß hatten. Inge, die kurz vor der Pensionierung stehende Buchhalterin, kicherte und hatte ein rotes Gesicht. Bernd, der ITler, lachte dröhnend über einen Witz, den Britta, die Assistentin des Chefs, zum Besten gegeben hatte. Herr Breitner, ihr Vorgesetzter, stand inmitten der Runde und betrachtete seine Angestellten wie gern gesehene Freunde.
Amélie war die Einzige, die immer abseits stand. Ob es bei einem Pläuschchen in der Teeküche oder dem gemeinsamen Mittagessen war. Sie beteiligte sich nie am Gespräch, saß immer nur daneben. Alles, weil sie anders war. Sie war empfindsam, spürte, wie es anderen erging, und scheute sich davor, ihre Mitmenschen auf irgendeine Art zu verletzen. Um dazuzugehören, ließ sie sich hinreißen, Glühwein statt Eierpunsch zu trinken, den sie so viel lieber mochte. Sie wollte kein Aufsehen erregen und sich zum Gespött der Kollegen machen, weil sie mal wieder aus der Reihe tanzte.
Etwa eine Dreiviertelstunde später brach man auf. Amélie, auf die niemand achtete, bildete die Nachhut. Ihre Finger froren. Sie wühlte mit der Hand in der Jackentasche, um ihren Handschuh daraus zu befreien. So ein Mist, ihr Schlüssel verhakte sich in der Wolle und fiel just in dem Moment aus der Tasche, als sie auf die Straße trat. Sie bückte sich und Sekunden später sah sie aus dem Augenwinkel, dass sich ihr ein Auto näherte, nicht schnell, aber es schien auch nicht abzubremsen. Im nächsten Moment fiel sie in Richtung Boden, ihr Kopf prallte auf das Pflaster und alles um sie herum wurde schwarz.
Jemand rüttelte Amélie an der Schulter.
„Hallo, geht es dir gut? Sag doch was!”
„Mmmmmhhh … ja. Ja, Moment.” Sie versuchte, die Lider zu öffnen. Helles Licht schien ihren Kopf explodieren zu lassen. Sie kniff die Augen zu und rollte sich auf den Rücken. Verdammt, wo war sie?
„He, du musst aufstehen. Du kannst hier nicht liegen bleiben. Es ist viel zu kalt.”
Scherzkeks. Sie spürte selbst, dass sie vor Kälte bibberte. Ein neuer Versuch, die Augen zu öffnen, funktionierte diesmal besser. Verschwommen sah sie das Gesicht des Mannes vor sich, der sie angesprochen hatte.
„Soll ich dir aufhelfen? Was ist denn passiert?” Der Mann versuchte, nach ihren Armen zu greifen und sie hochzuziehen. So weit war sie noch nicht, sie musste erst mal ihre Gedanken sortieren.
„Ich … ich weiß es nicht. Ich wurde von einem Auto angefahren.” War es tatsächlich ein Unfall? Oder vermittelte ihr das ihr überspanntes Gehirn?
“Welches Auto?” Skeptisch sah der Mann, den sie nun gut erkennen konnte, auf sie herab. Er hatte kurze dunkle Haare, ein markantes Gesicht und tiefbraune Iriden. Genau ihr Typ, wie sie feststellte.
Als sie sich umsah, stellte sie fest, dass hier mit Sicherheit weit und breit kein Auto unterwegs gewesen war. Soweit das Auge reichte, bedeckte Schnee die Landschaft, in der nichts als … nun ja, Landschaft war. Wohin sie auch sah, waren weißbedeckte Bäume und Sträucher. Jetzt verstand sie, warum ihr so kalt war. Sie war bei fast frühlingshaften Temperaturen auf den Wintermarkt gegangen und nun bei minus werweißwieviel Grad gelandet. Sie mochte für den Moment gar nicht darüber nachdenken, was passiert war. Also rappelte sie sich mit Hilfe des Fremden auf und sah sich unsicher um.
„Wo bin ich?” Die Frage erschien ihr reichlich dumm. Aber sie wusste es nicht. Wie konnte es sein, dass sie weder mitbekommen hatte, wie sie in diese Pampa geraten war, noch dass es plötzlich so viel kälter war?
“Du bist in Rovaniemi. Ich bin Aleksi, einer von Santas Elfen.” Er sagte es so ernsthaft, dass sie dachte, er sprach die Wahrheit. Lächerlich … Wieder einer, der sie veräppeln wollte.
“Ja, genau. Ich lach mich tot.” Grimmig schaute sie ihn an und versuchte, ihm mit ihren Augen mitzuteilen, dass er ein Idiot war.
“Ähm … ok.” Irritiert sah er sie an. “Lass uns ins Dorf fahren. Mein Schlitten steht dort hinten.” Sanft legte er den Arm um Amélie um sie zu stützen. Das fühlte sich gut an, fast als hätte sein Arm schon immer dort gelegen. Dazu roch er angenehm nach Zimt, frisch geschlagenem Zedernholz und heimeligen Kaminfeuer. Amélie schüttelte innerlich den Kopf. Sie hasste Zimt, weil dieses Gewürz der Inbegriff der Zeit im Jahr war, die sie am wenigsten mochte. Was war bloß in sie gefahren?
Im Dorf angekommen, blickte Amélie sich ungläubig um. Sie war hier in einem völlig abgedrehten Weihnachtsdorf gelandet. Überall waren Lichterketten, Sterne, Christbaumkugeln und die Farben rot und grün dominierten. Mitten auf dem Dorfplatz stand sogar ein Brunnen, der komplett aus rot-weißen Zuckerstangen bestand. Der statt Wasser enthaltene Zuckersirup war ihr dann doch ein wenig zu viel des Guten. Das war ein verdammter Alptraum!
“Willkommen in Rovaniemi. In unserem Dorf feiern wir das ganze Jahr Weihnachten und Santa empfängt zu jeder Jahreszeit Wunschzettel von groß und klein. Hier auf dem Korvatunturi befindest du dich direkt am Polarkreis. Wir Elfen ermöglichen den Besuchern des Dorfes einen wunderschönen Aufenthalt …“ Aleksi unterbrach sich, als er Amélies wutverzerrtes Gesicht sah.
“Wie kannst du es wagen, mir so einen Scheiß zu erzählen?”, brach es aus ihr heraus. “Ich hasse Weihnachten und alles, was damit zu tun hat. Ich will nicht hier sein. Ich will wieder zurück.” Eine Träne rollte aus ihrem Auge. Bei der klirrenden Kälte fühlte sie sich unangenehm auf ihrer Haut an.
“Aber …”, erwiderte Aleksi, wurde aber unterbrochen.
“Nichts aber”, äffte Amélie ihn nach. “Bring mich sofort nach Hause!” So energisch hatte sie sich selbst noch nie erlebt.
“Wo ist dein Zuhause?”, fragte Aleksi mit leiser Stimme.
Amélie dachte nach. “Ich … ich weiß es nicht!” In diesem Moment wurde ihr klar, dass sie absolut keine Ahnung hatte. Sie sah ihre Heimatstadt vor sich, sah ihre Kollegen, die zur U-Bahn unterwegs waren und auch das Auto, das sie angefahren hatte, aber wie ihr Heimatort hieß, fiel ihr nicht ein. Geschweige denn, wo er lag. Wie konnte das denn sein?
“Du hast nicht mal gefragt, wer ich bin”, fiel ihr jetzt unsinnigerweise ein. “Ich heiße Amélie und ich weiß nicht, woher ich komme.” Verzweiflung tropfte aus ihren Worten. Sie hatte sich in ihrem Leben nie wohlgefühlt, trotzdem wollte sie dorthin zurück. Weitere Tränen sammelten sich in ihren Augen und es fiel ihr schwer, diese zurückzuhalten.
Aleksi sah sie an und legte tröstend ihren Arm um sie.
“Amélie, ein schöner Name. Wir bekommen das schon hin. Du kommst mit mir nach Hause. Meine Mutter wird sich um dich kümmern und dann sehen wir weiter. Ist das ok für dich?” Wohnte er noch zu Hause? Er war in ihrem Alter. Das konnte ja was geben.
Kurze Zeit später betraten Amélie und Aleksi das Haus seiner Familie. Auch hier war alles dem Dorf angepasst geschmückt. Die Fenster waren, wie sie es aus ihrer Kindheit kannte, mit Dekoschnee besprüht und zeigten weihnachtliche Motive. Überall im Haus waren winzige Birnchen verteilt, die ein behagliches Licht verbreiteten.
Moment, hatte sie gerade behaglich gedacht? Verrückt.
“Kirsti, wo bist du? Wir haben Besuch!” Aleksis Stimme hallte durchs Haus. Eine von innen heraus strahlende, ältere Frau mit Kochschürze betrat den Raum. Sie trug einen lockeren Dutt und ihre von grauen Strähnen durchzogenen braunen Haare rundeten ihre Schönheit ab.
“Hej, ich bin Kirsti. Und wer bist du?” Die Wärme in ihrer Stimme verstärkte das angenehme Gefühl in Amélie, welches das Haus ausstrahlte.
“Ich bin Amélie. Ich weiß nicht, wo ich wohne und wie ich zu diesem unbekannten Ort zurückkommen soll.” Fast flüsterte sie die Worte.
“Magst du heiße Schokolade? Ich finde, sie hilft immer. Und dann sehen wir weiter, ok?” Kirstis freundliches Lächeln ließ Amélie dankbar nicken.
Als Kirsti die Tasse heißer Schokolade mit Sahnehaube und einem Zimtstern vor Amélie auf den Tisch stellte, bemerkte Amélie erstaunt, dass ihre Aversion gegen Zimt verflogen zu sein schien. Oder lag es an dem weihnachtlichen Umfeld? Sie konnte es sich nicht erklären.
“Nun, meine Liebe. Was hat dich denn so erschüttert? Wir finden bestimmt eine Lösung. Vorerst bleibst du bei uns. Seit Aleksis Bruder ausgezogen ist, um sich in die weite Welt aufzumachen, haben wir ein Zimmer frei. Ist dir das recht?” Es war unglaublich, wie freundlich diese Frau zu ihr war. Amélie kamen erneut die Tränen, denn das war sie nicht gewohnt und konnte nur schwer damit umgehen.
“Ja, vielen Dank.” Amélie senkte den Kopf und erzählte Kirsti, was sie erlebt hatte.
Wochen später erinnerte Amélie sich immer noch nicht daran, wo sie wohnte und wie sie je dorthin zurückkehren sollte. Mittlerweile hatte sie sich im Weihnachtsmanndorf eingelebt und gestand sich ein, dass sie sich wohlfühlte. Sie stellte fest, dass sie anfing, die weihnachtliche Deko und die Besinnlichkeit ein klitzekleines bisschen zu mögen. Die Elfen waren freundlich, tiefenentspannt und gaben ihr das Gefühl, willkommen zu sein. Niemand sah sie schief an oder sagte gar etwas Unfreundliches. Es war ein wunderbares Gefühl, dazu zu gehören.
Sie saß mit Aleksi in der Küche und schlürfte an ihrem Eierpunsch, den sie sich von ihm gewünscht hatte.
“Amélie, als wir uns kennenlernten, hatte ich das Gefühl, dass du unglücklich warst. Du warst sofort wütend auf mich und hast mir nicht richtig zugehört, dachtest, ich würde dich veräppeln, obwohl ich nur Gutes im Sinn habe. Magst du mir erzählen, warum das so war?” Mittlerweile führten Aleksi und sie täglich vertraute Gespräche. Er sah attraktiv aus, war sensibel und besaß eine gute Menschenkenntnis. Der perfekte Partner, dachte sie schmunzelnd.
Stunden später, es war in der gemütlichen Küche bereits dunkel geworden, beendete Amélie ihre Lebensgeschichte. Sie hatte Aleksi alles erzählt, was sie bedrückte. Er hatte ihr immer wieder den Arm um die Schulter gelegt und sie an sich gezogen, oder streichelte ihr den Rücken, während ihr Tränen der Wut und des Selbstmitleids über die Wangen liefen. Seine Rückfragen zu ihren schlimmsten Erlebnissen hatten sie aufgewühlt, gleichzeitig war es befreiend, sich alles von der Seele zu reden. Fast schämte sie sich, dass sie Aleksi als Seelenmülleimer missbraucht hatte, aber er hatte gefragt.
Nachdem sie eine Weile geschwiegen hatten, seufzte er.
“Du hast einiges durchgemacht. Ich habe dich als einen einfühlsamen und positiven Menschen erlebt, der auf andere zugeht und ihnen gegenüber offen ist. In dem, was du mir gerade erzählt hast, finde ich dich nicht wieder. Allerdings habe ich festgestellt, dass du dich danach richtest, was andere von dir erwarten. Das hast du nicht nötig. Du bist ein toller Mensch, der viel Liebe in sich trägt und der den Groll in sich nicht ertragen kann. Sei einfach du selbst, dann fliegen dir die Herzen der Menschen zu.” Seine wunderschönen braunen Augen sahen sie an und es schien, als würde er direkt in ihre Seele blicken.
Was hatte er da gesagt? Toller Mensch? Der Liebe in sich trägt? Ja, sie hatte sich hier verändert, war ausgeglichener, erwischte sich des Öfteren dabei, dass sie vor sich hinlächelte oder gar Weihnachtslieder summte. Erst jetzt bemerkte sie die Veränderungen, die andere für offensichtlich hielten. Was war mit ihr passiert?
“Was habt ihr mit mir gemacht? Ich fühle mich zum ersten Mal wohl in meiner Haut und bin sicher, dass ich hier der Mensch sein kann, der ich bin. Ich muss mich nicht verstellen und bin nicht mehr miesepetrig. Im Gegenteil. Ich bin glücklich. Bis ich hierher kam, konnte ich mich nicht mehr daran erinnern, wie es sich anfühlt, zufrieden zu sein und meiner selbst willen geliebt zu werden.” Die Worte purzelten aus ihr heraus und sie stellte fest, dass sie der Wahrheit entsprachen.
“Nenn es den Zauber der Weihnacht. Du bist nicht die Erste, die ohne Erinnerung an ihren Heimatort bei uns auftaucht. Dieser Ort ist magisch. Wir heilen Menschen, indem wir offen und vertrauensvoll mit ihnen umgehen. Noch nie kehrte einer nach Hause zurück, ohne sein wahres Ich wiederzufinden.” Aleksi sah sie an. Sie erkannte in seiner Miene, dass er auf ihre Reaktion gespannt war.
“Hättest du mir das vor ein paar Wochen erzählt, hätte ich dich ausgelacht oder beschimpft. Aber ich habe es selbst erlebt und vertraue dir. Mir war nicht klar, wer ich bin und welche Fähigkeiten in mir stecken. Dafür musste ich hierherkommen. Wie kann ich euch danken?”
Schmunzelnd sah Aleksi sie an.
“Du musst uns nicht danken. Wir wurden erschaffen, um Menschen auf diese Weise zu helfen. Wenn du zu Hause bist, denk daran, dass ich bei dir bin und du immer auf mich zählen kannst.”
Er reichte ihr eine kleine, weihnachtlich verzierte Schmuckdose. Als Amélie sie öffnete, sah sie einen silbernen Stern, der mit weißen glitzernden Steinchen verziert war und an einer Kette hing.
“Was ist das?” Ungläubig sah sie erst die Kette, dann Aleksi an. Schenkte er ihr tatsächlich Schmuck?
“Dieser Anhänger soll dich an uns erinnern. Er zeigt den Diamanten, der in dir steckt. Wenn du ihn berührst, kannst du eine Verbindung zu uns aufbauen. Nutze ihn, wenn du in dein altes Ich zurückfällst.”
Amélie war sprachlos. Sie nickte stumm und legte sich die Kette um den Hals. Der Anhänger fühlte sich warm und vertraut an, als hätte sie ihn nach langer Abwesenheit wiedergefunden.
“Ich danke dir. Ich danke euch allen. Ohne euch hätte ich mich endgültig verloren.” Amélie fiel Aleksi um den Hals. Sie drückte ihn und wollte ihn nie wieder loslassen.
“Komm, meine Liebe. Es ist Zeit, ins Bett zu gehen.”
Als sie aufwachte, stach helles Licht in ihre Augen. Nicht schon wieder!
“Sie kommt zu sich. Amélie, mein Herz, wir haben uns solche Sorgen um dich gemacht!” Die Stimme ihrer Mutter war direkt an ihrem Ohr und ein warmes Gefühl breitete sich in ihr aus.
“Was machst du hier?” Sie öffnete die Augen einen Spalt und sah, dass ihr Vater ebenfalls neben ihrem Bett stand. Moment mal, welches Bett? “Wo … wo bin ich?”
“Meine Süße, du bist im Krankenhaus. Du wurdest von einem Auto angefahren und warst ein paar Tage bewusstlos. Wir hatten Angst, wir feiern deinen Geburtstag mit einer schlafenden Amélie.” Ihre Mutter schluchzte. In diesem Moment wurde Amélie bewusst, dass sie ihre Gefühle zulassen musste, um das, was sie im Weihnachtsmann-Dorf gefühlt hatte, zu erhalten.
Sie setzte sich auf und umarmte ihre Mutter.
“Ach, Mama. Mach dir keine Sorgen. Mir geht’s gut. Ich bin etwas duselig, aber bis Weihnachten bin ich wieder fit. Dann feiern wir meinen Geburtstag mit Weihnachtstamtam und Geschenken für alle.” Mit einem Blick auf den Kalender stellte sie fest, dass sie eine Woche Zeit hatte, um halbwegs auf die Beine zu kommen. Ein weiteres Schluchzen zeigte ihr, dass sie die richtigen Worte gewählt hatte, und als sie in sich hineinfühlte, spürte sie, dass sie das gesagt hatte, was sie tatsächlich erleben wollte. Sie fühlte eine Kette an ihrem Hals baumeln und griff danach. Dort war der Stern, den Aleksi ihr geschenkt hatte. Sie nahm ihn in die Hand und spürte, dass er bei ihr war.
