Wenn du selbst schreibst, kennst du diese Frage sicher. Viele Menschen in meinem Umfeld sind sehr geduldig, weil sie live mitbekommen, wie viel Arbeit es ist, ein qualitativ hochwertiges Buch in Eigenregie auf den Markt zu bringen. Ich muss zugeben, dass mir zwar bewusst war, dass es sehr zeitaufwendig und nervenaufreibend ist, aber das tatsächliche Ausmaß hatte ich nicht im Blick. Versteh mich nicht falsch, ich liebe alles daran, aber manchmal bin ich einfach von meinem Alltag viel zu ausgelaugt, um mich abends noch an den PC zu setzen. Dazu aber später mehr.
Offen gesagt, setzt es mich unter Druck, von manchen Menschen jedes Mal gefragt zu werden, ob das Buch jetzt fertig ist. Womöglich noch gekrönt von der Frage: „Was dauert denn da so lange?“ Tja, Dieter, wenn ich mich nur hinsetzen und schreiben müsste und dann das Buch fix und fertig wäre, hätte ich ein Buch, das niemand lesen will. Voller Fehler, vielleicht mit sehr viel Unlogik in der Handlung, und es könnte sein, dass die Figuren am Anfang des Buches blond sind, in der Mitte braunhaarig und am Ende haben sie rote Haare. Ich bin und war schon immer der Meinung, dass ein Autor sein Bestes geben sollte, denn die eigene Geschichte im Kopf hat genau das verdient.
Fertig geschrieben ist nicht veröffentlicht
Mein Buch ist schon seit Monaten fertig geschrieben. Aber das bedeutet nichts, denn nach dem Beenden des Manuskripts fängt die richtige Arbeit erst an. Ich habe meine Geschichte Ende Mai ins Lektorat gegeben. Meine Lektorin hat es gelesen, kommentiert, Unklarheiten aufgedeckt und auch einen Fehler gefunden, den ich bereinigen muss. Natürlich ist es ja so, dass eine Lektorin nicht innerhalb von zwei Tagen durchs Buch fliegt und kurz sagt, ob es in Ordnung war oder nicht. Dafür würde ich auch nicht so viel Geld zahlen. Jes hat richtig viele, für mich angebrachte, Anmerkungen gemacht, die ich einarbeiten werde bzw. bin ich gerade dabei. Es geht langsam voran, weil ich nicht mal eben drüberhusche und eben was abändere und es dann gut sein lasse. Wenn du mich persönlich kennst, weißt du, dass ich sehr perfektionistisch bin und mich bremsen muss, damit ich es nicht übertreibe und am Ende niemals fertig werde.
Nach dem ersten Lektorat und seiner Bearbeitung folgt das zweite Lektorat. Vielleicht schon im November. Wer weiß das schon? Es ist ja so: Ich arbeite 40 Stunden in der Woche. Davon montags bis freitags jeweils 9,5 Stunden und freitags 7 Stunden. Abends bin ich oft erschöpft, weil ich auch im Job alles gebe. Das ist vielleicht mein Fehler, dass ich vergesse, Pausen zu machen, aber es ist, wie es ist. Wie jeder andere Mensch auch habe ich einen Haushalt, um den ich mich kümmern muss. Ich habe einen Mann, mit dem ich reden möchte, und Katzen, die von mir mehr verlangen, als nur anwesend zu sein. Vor unserem Urlaub habe ich es relativ gut hinbekommen, mich jeden Abend hinzusetzen und am Buch zu arbeiten, aber nach dem Urlaub war ich wieder aus meinem Rhythmus gerissen. Normal, aber nervig.
Nach dem zweiten Lektorat werde ich wieder einiges einarbeiten müssen, zumindest gehe ich davon aus. Das wird auch seine Zeit dauern. Danach geht es ins Korrektorat und ehrlich gesagt weiß ich nicht, wie lange dieser Durchlauf dauern wird. Anschließend ist der Buchsatz dran. Auch hier weiß ich nicht, wie lange es dauert. Ich mache das Ganze ja zum ersten Mal. Aber ich habe für mich beschlossen, dass es so lange dauert, wie es dauert. Glücklicherweise habe ich auch noch Sozialkontakte, die ich regelmäßig treffe, daher habe ich nicht jeden Tag stundenlang Zeit. Zudem bin ich nicht bereit, mir die Nächte um die Ohren zu schlagen. Erst mal bin ich gar nicht mehr aufnahmefähig oder kreativ am Abend und dann brauche ich meinen Schönheitsschlaf. Aber ich werde weiterhin meine 25‑Minuten-Regel (Pomodoro ist das Beste überhaupt) beibehalten.
Selfpublishing ist auch Projektmanagement
Jaja, ich weiß, selbst gewähltes Schicksal. Ich habe mich bewusst fürs Selfpublishing entschieden. Die Gründe habe ich dir bereits hier erläutert. Diese Entscheidung zieht allerdings einiges mit sich, über das ich mir von Beginn an im Klaren war. Ich muss mich nicht nur darum kümmern, passende Dienstleister rund ums Buch zu finden, sondern auch ums Marketing, um die Büroarbeit rund ums Buch und was weiß ich noch alles. Du denkst vielleicht, dass ich viel zu früh angefangen habe, über mein Buch zu sprechen, aber ich möchte nicht erst Leser suchen, wenn es schon veröffentlicht ist. Daher kümmere ich mich regelmäßig um Social-Media-Beiträge, um Blogbeiträge wie diesen und darum, mich mit anderen zu vernetzen. Schon jetzt muss ich eine Buchhaltung machen, weil ich mich bereits als Freiberuflerin habe eintragen lassen und auch schon Rechnungen für das Buch bekommen (und bezahlt 😉 habe). Und demnächst muss ich ein Gewerbe anmelden, weil ich auf Messen Bücher verkaufen möchte. Es gibt unglaublich viele rechtliche Fallstricke, die man als Selfpublisher beachten muss. Da muss ich natürlich auch auf dem Laufenden sein. Im Grunde kann man sagen, dass das Veröffentlichen in Eigenregie ein zweiter Job ist. Ich wüsste nicht, was ich ohne die Menschen tun würde, die mir immer wieder mit Tipps und Tricks zur Seite stehen, vor allem die Lieben vom Club der Selfpublisher. By the way, wenn du ebenfalls im Selfpublishing veröffentlichen möchtest und noch eine Gruppe suchst, die sich gegenseitig unterstützt, nimm mit uns über Instagram Kontakt auf.
Meine wichtigste Erkenntnis
Aber weißt du was? Ich habe für mich beschlossen, dass ich das Schreiben und Veröffentlichen als teures Hobby sehe. Andere haben Pferde und zahlen ein Vermögen dafür, Zeit mit ihnen zu verbringen, dafür zu sorgen, dass sie gesund bleiben, und was weiß ich, was da noch dran hängt. Den Anspruch, so viel zu verkaufen, dass meine Ausgaben wieder hereinkommen, habe ich gar nicht. Ich möchte nur Geschichten schreiben, die der ein oder andere Mensch zukünftig vielleicht als sein Lieblingsbuch ansieht, denn mich machen Geschichten ebenfalls glücklich. Sollte es irgendwann mal klappen mit dem Geld verdienen, bin ich glücklich. Wenn nicht, ist es eben so. Bis dahin werde ich das machen, was ich für richtig halte, in dem Rahmen, den ich für richtig halte, und dafür sorgen, dass mein Buch (und auch zukünftige Bücher) genauso werden, wie ich mir das vorstelle.
Genug geredet. Ich setze mich gleich hin und verbringe Zeit mit meinem zukünftigen Buch, damit du nicht wieder fragen musst, wann es endlich fertig ist. 😉
